Grüne warnen vor städtischem Pilotprojekt ohne belastbare Grundlage
Im Rahmen der Haushaltsberatung hat die Ratsmehrheit gegen unseren Widerstand beschlossen, die Verwaltung zu beauftragen, in einer Grundschule eine OGS in städticher Trägerschaft zu planen und zu konzipieren. Der Bürgermeister argumentierte, dass eine städtische OGS geringere Overhead-Kosten hätte als eine OGS von freien Trägern.
Die Annahme, dass eine OGS in städtischer Trägerschaft bei gleicher Qualität grundsätzlich kostengünstiger betrieben werden könne, ist bislang nicht belegt. Erfahrungen aus dem Kita-Bereich zeigen vielmehr, dass städtische Einrichtungen weder strukturell günstiger noch effizienter arbeiten als Einrichtungen in freier Trägerschaft. Im Gegenteil entstehen häufig zusätzliche Verwaltungs- und Steuerungsaufwände, zuletzt etwa durch die neu geschaffene Stelle zum Aufbau einer Kita-IT.
Die zunächst geplanten und dann kurzfristig zurückgenommenen Kürzungen bei der OGS-Finanzierung durch den CDU-Bürgermeister und die CDU-geführte Koalition im Rat haben zu einem erheblichen Vertrauensverlust geführt. In den Einrichtungen und bei den Eltern besteht große Verunsicherung. In den OGSen ist bereits zu beobachten, dass erste Fachkräfte sich aufgrund der unklaren Perspektiven beruflich neu orientieren.
Vor diesem Hintergrund hat die CDU-geführte Koalition für die Planung einer sogenannten „Experiment-OGS“ in städtischer Trägerschaft gestimmt. Bestehende Unsicherheiten werden somit weiter verschärft. Gerade mit Blick auf den kommenden Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz sind Verlässlichkeit, Planungssicherheit und nachhaltige Personalbindung zentrale Voraussetzungen für ein funktionierendes Ganztagssystem.
Eine grundlegende Neuausrichtung der Trägerschaft darf nicht auf unbelegten Vermutungen beruhen. Sie müsste auf einer transparenten, belastbaren und konfliktarmen Grundlage erfolgen. Solange nicht nachvollziehbar dargelegt ist, wo konkrete Synergie- oder Einsparpotenziale entstehen sollen und wie diese ohne Qualitätsverluste realisiert werden können, ist ein Einstieg in eine städtische Trägerschaft nicht verantwortbar.
Die Offenen Ganztagsschulen in Sankt Augustin werden seit vielen Jahren erfolgreich von freien Trägern betrieben. Dieses System hat sich pädagogisch wie organisatorisch bewährt und sorgt für Stabilität bei Kindern, Eltern und Beschäftigten. Die freien Träger arbeiten effizient und mit einem vergleichsweise geringen Overhead, der notwendige Verwaltungs-, Koordinations- und Qualitätsaufgaben abdeckt.
Wir GRÜNE sprechen uns daher klar dafür aus, das bewährte System der freien Träger zu stabilisieren, gemeinsam mit diesen an realistischen Optimierungen zu arbeiten und den Fokus auf Qualität, Verlässlichkeit und Fachkräftesicherung zu legen. Zusätzliche Unsicherheiten durch ein ungeklärtes Pilotprojekt helfen weder den Kindern noch den Familien in Sankt Augustin.
„Bis heute gibt es keinen belastbaren Nachweis, dass eine OGS in städtischer Trägerschaft günstiger oder effizienter wäre. Wer ohne fundierte Grundlage einen Systemwechsel anstrebt, riskiert Qualität, Personalbindung und das Vertrauen der Eltern.“
Frauke Flottmann, Fraktionsvorsitzende
„Angesichts des kommenden Rechtsanspruchs auf einen OGS-Platz müssen wir alles daransetzen, Fachkräfte zu halten und Verlässlichkeit zu schaffen. Zusätzliche Unsicherheit durch ein Pilotprojekt in städtischer Trägerschaft ist dafür der falsche Weg.“
Bernd Heistermann, stellv. Fraktionsvorsitzender
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