„Verlässlichkeit schafft Vertrauen“

Im Gespräch mit der Netzwerk-BeWo GmbH über Wohnungslosigkeit, Hilfen und die Situation in Sankt Augustin

Wohnungslosigkeit entsteht selten von heute auf morgen. Oft gehen persönliche Krisen, finanzielle Probleme oder gesundheitliche Belastungen voraus. Die Netzwerk-BeWo GmbH unterstützt Menschen, bevor sie ihre Wohnung verlieren oder hilft ihnen dabei, wieder Stabilität in ihr Leben zu bringen.

Wir haben mit Frau Schler und Herrn Wohlrab über ihre Arbeit gesprochen.

Was macht das Netzwerk BeWo?

Unser Ziel ist, Wohnungslosigkeit zu verhindern. Wir begleiten Menschen in schwierigen Lebenslagen und unterstützen sie dabei, ihren Wohnraum zu sichern. Dazu gehören Gespräche mit Vermietern, Unterstützung bei Behördenangelegenheiten, Hilfe bei Anträgen oder die Vermittlung weiterer Hilfsangebote.

Wichtig ist uns dabei ein Grundsatz: Wir machen nichts für die Menschen, sondern mit ihnen. Es geht immer darum, Selbstständigkeit zu stärken und Perspektiven zu entwickeln.

Wie kommen Menschen zu Ihnen?

Viele werden von Ärzten, Kliniken, Beratungsstellen oder gesetzlichen Betreuern an uns vermittelt. Manche melden sich auch selbst. Wir arbeiten eng mit vielen Einrichtungen im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn zusammen. Dadurch können wir häufig frühzeitig unterstützen.

Sie beraten auch Menschen in den Übergangsheimen der Stadt Sankt Augustin. Wie funktioniert das?

Unsere Mitarbeitenden sind regelmäßig in den Unterkünften vor Ort und bieten feste Sprechzeiten an. Die Bewohnerinnen und Bewohner wissen genau, wann wir da sind und an wen sie sich wenden können.

Gerade diese Verlässlichkeit ist entscheidend. Viele Menschen haben in ihrem Leben erlebt, dass Zusagen nicht eingehalten wurden oder Hilfen plötzlich weggebrochen sind.

Welche Bedeutung hat diese Verlässlichkeit?

Eine sehr große. Vertrauen entsteht nicht durch einzelne Gespräche. Vertrauen entsteht, wenn Menschen erleben, dass jemand da ist, wenn er es angekündigt hat.

Verlässlichkeit schafft Vertrauen. Vertrauen schafft Verbindlichkeit. Genau das ist die Grundlage unserer Arbeit.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

Der angespannte Wohnungsmarkt ist ein großes Problem. Viele Menschen finden trotz Unterstützung keine bezahlbare Wohnung. Deshalb brauchen wir mehr bezahlbaren und sozialen Wohnraum.

Außerdem beobachten wir mit Sorge Entwicklungen, die den Zugang zu Sozialleistungen erschweren könnten. Viele unserer Klientinnen und Klienten kämpfen bereits mit komplexen Problemlagen. Zusätzliche Hürden verschärfen diese Situation häufig.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der Stadt Sankt Augustin?

Sehr positiv. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Mitarbeitenden funktioniert sehr gut. Wir erleben dort viel Engagement und ein echtes Interesse daran, die Situation der Menschen in den Unterkünften zu verbessern.

Die Stadt investiert in ihre Unterkünfte und entwickelt die Angebote weiter. Das merken wir in unserer täglichen Arbeit.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Mehr bezahlbaren Wohnraum. Für viele Menschen wäre eine eigene Wohnung der entscheidende Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Und wir wünschen uns mehr Aufmerksamkeit für das Thema Wohnungslosigkeit. Denn viele Betroffene sieht man nicht. Ihre Not bleibt oft verborgen.

Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.