Menschenwürdig unterbringen. Dezentral statt konzentriert


In der letzten Ratssitzung ging es um die Änderung des Flächennutzungsplans an der Großenbuschstraße. Damit sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um dort künftig eine größere Unterkunft für geflüchtete Menschen zu ermöglichen. Wir GRÜNE haben gegen die Änderung gestimmt.

Für uns steht außer Frage: Sankt Augustin trägt Verantwortung für die Menschen, die zu uns kommen. Sie brauchen eine menschenwürdige Unterkunft, Sicherheit und die Chance, in unserer Stadt anzukommen.

Es folgt der vollständigen Redebeitrag von Fraktionsvorsitzender Frauke Flottmann aus der Ratssitzung vom 08.10.2026:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren der Verwaltung,

sehr geehrte Ratsmitglieder,

sehr geehrtes Publikum,

Wir GRÜNE werden dieser Änderung des Flächennutzungsplans nicht zustimmen.

Für uns steht außer Frage: Sankt Augustin trägt Verantwortung für die Menschen, die zu uns kommen. Sie brauchen eine menschenwürdige Unterkunft, Sicherheit und die Chance, in unserer Stadt anzukommen.

Gerade deshalb setzen wir uns für kleinere, dezentrale Unterkünfte im gesamten Stadtgebiet ein.

Aus den Berichten der Quartierssozialarbeit wissen wir, dass Integration dort besser gelingt, wo Menschen Teil eines Quartiers werden können, wo Begegnung und Nachbarschaft möglich sind.

Wir haben deshalb immer wieder gefordert: Prüft weitere Standorte! Verteilt diese gemeinsame Aufgabe auf mehrere Schultern!

Was uns fehlt, ist eine ernsthafte und ergebnisoffene Prüfung dieser Alternativen.

Stattdessen sollen wir heute die Voraussetzung dafür schaffen, an der Großenbuschstraße sehr viele Menschen an einem einzigen Standort unterbringen zu können.

Das ist nicht unser Weg.

Unser Nein ist kein Nein zu geflüchteten Menschen.

Im Gegenteil.

Es ist ein Ja zu menschenwürdiger Unterbringung.
Ein Ja zu Integration.
Ein Ja zu kleineren, dezentralen Einrichtungen.
Und ein Ja dazu, dass wir als gesamte Stadt Verantwortung übernehmen.

Diese Voraussetzung sehen wir bei der vorliegenden Planung nicht erfüllt.

Und dieser Standort ist nicht nur unter sozialen Gesichtspunkten problematisch.

Auch aus ökologischer Sicht hat die Fläche eine besondere Bedeutung.

Das Grundstück, um das es heute geht, ist – abgesehen von den Baracken an der Großenbuschstraße – bislang weitgehend unbebaut.

Hier verläuft der Link des interkommunalen Freiraumprojekts „Grünes C“, der hier den Pleiser Wald und die Hangelarer Heide verbindet. Damit ist die Fläche Teil einer wichtigen, regionalen Freiraumverbindung und nicht einfach irgendeine unbebaute Fläche, die darauf wartet, bebaut zu werden.

Sie hat eine Funktion als ökologischer Trittstein. Sie ist Teil einer wichtigen Grünverbindung und zugleich von Bedeutung für die Frischluftversorgung von Sankt Augustin.

Gerade angesichts zunehmender Hitzeperioden und der Bedeutung von Grün- und Freiflächen für das Stadtklima sollten wir mit solchen Flächen besonders sorgsam umgehen.

Eine höhere und umfangreiche Bebauung würde diese Funktion beeinträchtigen. Sie würde die ohnehin bestehende Engstelle weiter verengen.

Und auch das ist keine neue Erkenntnis.

Bereits im Rahmen der Untersuchungen zum Grünen C wurde auf genau diese Engstelle hingewiesen. Damals wurde ausdrücklich gefordert, dass dieses Grundstück frei bleiben soll.

Diese Erkenntnisse können wir heute nicht einfach beiseiteschieben, nur weil sich inzwischen ein konkreter Bebauungswunsch ergeben hat.

Denn bei einer Flächennutzungsplanänderung geht es um eine langfristige Entscheidung.

Wir entscheiden nicht nur darüber, was auf diesem Grundstück in den nächsten Jahren möglich sein soll.

Wir entscheiden auch darüber, welche Grünverbindungen in Sankt Augustin erhalten bleiben, welche Flächen für unser Stadtklima wichtig sind und welche Möglichkeiten künftige Generationen noch haben.

Deshalb stimmen wir heute nicht zu.