Welche Zeichen sendete uns dieser Sommer? Welche Lehren sollten wir daraus für unsere Stadtpolitik ziehen?
Die lange Hitze-Periode dieses Sommers mit sehr hohen Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen hat einschneidende Auswirkungen auf unseren Alltag, unsere Wirtschaftsweise und unsere Ernährungsgrundlagen mit sich gebracht. Stichworte sind Dürre, Brände, Wasserknappheit, Ernteausfälle, Steigerung von Transport- und Lebenshaltungskosten, Unterbrechungen von Lieferketten, Produktknappheiten und eine hohe Zahl von Hitzetoten. Dies ist nicht nur „Wetter“, dies sind Folgen des von Menschen beförderten Klimawandels. Und dies könnte nach Experteneinschätzungen sich in Zukunft zur Regel entwickeln, intensiver und häufiger auftreten.
Was machen wir mit diesen Befunden für unseren kleinen städtischen Raum? Was sollten wir unbedingt unternehmen?
Wir sollten für mehr Schatten im Stadtbild sorgen. Also mehr Bäume, mehr bauliche Verschattungen als Schutz- und Rückzugsorte, idealerweise mit Bestückung durch PV-Anlagen.
Wir sollten mehr Trinkbrunnen für die kostenfreie Versorgung der Bevölkerung mit öffentlichem Trinkwasser einrichten. Insbesondere bei Schulen und Kitas könnten auch Wasserflächen und Sprühnebeleinrichtungen für Erleichterung sorgen.
Wir sollten vermehrt alte Versiegelungen aufbrechen und neue unterbinden, die Wärme aufnehmen und abstrahlen sowie die Wasserversickerung behindern. Mehr Grünflächen speichern Niederschlagswasser und wirken mit Feuchtigkeitsverdunstung positiv auf das Mikroklima.
Konventionelle Energieerzeugung sollten wir konsequent durch regenerative Verfahren ersetzen, um den Ausstoß schädlicher Klimagase zurückzudrängen. Zugleich machen wir uns von extern eingebrachten Versorgungsengpässen und -unterbrechungen der Energieversorgung unabhängiger. Die auf der Hand liegenden Fortschritte in der Strom- und Wärmeerzeugung müssen Grundlage für die Versorgung der Stadt werden.
Wärme- und Kälteerzeugung in wechselnden Temperaturphasen müssen zusammen gedacht werden. Mit Wärmepumpen stehen die erforderlichen Techniken zur Verfügung.
Die Stärkung von nachhaltiger Mobilität bedeutet weniger Verbrenner, daher Förderung der E-Mobilität für alle Verkehrsarten sowie mehr, bessere und kostengünstige E-Ladeinfrastruktur. Ausbau des ÖPNV, Taktverkürzung für die S 66. Unser Radverkehrskonzept muss endlich konsequent umgesetzt werden. Das ist das Verkehrssystem, das besonders flexibel auf Widrigkeiten der Verkehrsinfrastruktur reagieren kann.
Wir sollten das Prinzip der Schwammstadt zur Prämisse unserer Infrastruktur machen: weniger Wasserverluste, mehr Wasserrückhaltung, mehr öffentliche Wasserspeicher, Förderung der privaten Wasserrückhaltung und Versickerungseinrichtungen. Niederschlagswasser sollte auch dort gezielt zurückgehalten werden, wo es für die Versorgung der Natur unerlässlich ist.
Mehr Wärmerückgewinnung, Energieverluste minimieren. Die Wärmeinhalte unseres Abwassers könnten genutzt werden. Einrichtung für KI und Batteriespeicherbauten benötigen Kühlwasser und produzieren Abwärme, die wir für die öffentlich Wärmeversorgung nutzen sollten.
Dies sind nur einige der Maßnahmen, zu denen uns der immer deutlicher in unser Leben eingreifende Klimawandel zwingen wird. Wir sollten die Zeichen endlich ernst nehmen. Ohne Klimaschutz werden wir in Zukunft wesentlich mehr Geld aufbringen müssen, als wir heute bereits für die Förderung der Wirtschaft in unsere Haushalte schreiben.